Sennenhunde als Zughunde

               Text von Eva Eichenwald

                                                                   

                                                   

 

 Der Hund gilt ja als ältestes Haustier des Menschen, so belegen archäologische Funde, dass Hunde den Steinzeitmenschen bereits als Jagdhunde begleiteten.  Später kam die Verwendung als Zug- oder Tragtier dazu. Es gibt eine Abbildung eines Hundes als Zugtier auf einer griechischen Vase, datiert auf etwa 500 v. Chr.

Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hat man Hunde als "Zugtier des armen Mannes" genutzt; um 1900 soll es noch rund 150.000 derartige Karrenhunde gegeben haben.

Große Hunde sollen sogar anatomisch besser zum Ziehen von Karren und Hundeschlitten geeignet sein als z. B. Pferde, mit Sicherheit war jedoch die Anschaffung und Haltung von Zughunden erschwinglicher. Da ein Zughund das drei- bis fünffache seines Körpergewichtes ziehen kann, fand er bis ins 20. Jahrhundert Verwendung als Wagenzughund. Vorfahren von Hunden wie Rottweiler oder Sennenhund transportierten vor allem Lebensmittel und Waren.

Auch das Militär setzt Diensthunde gelegentlich als Zugtiere ein; allein im Ersten Weltkrieg sollen 40.000 Hunde als Wach-, Sanitäts-, Telegraphen-, Melde- und Zughunde von den deutschen Streitkräften eingesetzt worden sein.

 

Die Berner Sennenhunde und die Großen Schweizer Sennenhunde kommen ursprünglich aus der Schweiz. Dort wurden sie als Arbeitstiere gezüchtet und eingesetzt. Auf den abgelegenen Bauernhöfen spannte man die Hunde mit Ledergeschirren vor die Karren, um die Milchkannen zur Käserei zu befördern. Üblicherweise wurden diese Gespanne von den Kindern oder Frauen geführt. Auch heute noch werden die Hunde in der Schweiz „Käsereihunde“ genannt.

In der Schweiz gibt es immer noch international besuchte Zughundewettbewerbe, bei denen Teamarbeit von Hund und Hundeführer, sowie präzises Fahren verlangt werden.

In Österreich gibt es vom VSSÖ eine spezielle Zughundeprüfungen, die zehn verschiedene Übungsteile mit unterschiedlichem Schweregrad umfassen:  Einspannen, Vorwärtsfahren, Fahren durch eine Personengruppe, Wenden, Winkel und Kreis fahren, Durchfahren eines Tores, Slalom, Ablegen und Ablenkung  und Ausspannen.

 

Die Zughunde finden in der Öffentlichkeit meist besondere Beachtung und sollten daher auch besondere Anforderungen hinsichtlich ihres Wesens, Verhaltens, ihres Verhaltens und der Konstitution erfüllen. Sie sollten weder ängstlich noch aggressiv sein und über einen guten Grundgehorsam verfügen, da sie während ihrer „Arbeit“ die entsprechenden Kommandos ausführen müssen (zieh, links, rechts, steh, zurück).

 

Voraussetzungen zum Wagenziehen nach der Zughundeordnung des SSV sind

-   offizielles Röntgen der Gelenke HD, ED, OCD)

-   Herz-Kreislauf-Untersuchung

-   ein Mindestalter von 18 Monaten

 

Der SSV gibt zudem als Höchstalter für Zughunde ist das vollendete achte Lebensjahr vor und die Außentemperatur sollte nicht über 22 Grad liegen.

 

Das Gesamtgewicht des Gespannes, also Wagen und Ladung, sollte das Vierfache des Eigengewichtes des Hundes nicht überschreiten.

D. h. ein Großer Schweizersennenrüde oder Bernersennenrüde mit einem Gewicht von 50 kg sollte maximal 200 kg ziehen. Bei Zwei- und Mehrspännern darf das Gesamtgewicht maximal das Sechsfache des Eigengewichtes des leichtesten Hundes nicht überschreiten.

 

 

Die Ausbildung zum Zughund kann bereits vor dem röntgenfähigen Alter beginnen:

-   die Azubis laufen zunächst mit Packtaschen oder Zuggeschirr mit den Zughunden mit, um sich an das Wagenziehen grundsätzlich zu gewöhnen

-   das Rechtsführen wird geübt, wenn das Zuggeschirr angelegt ist: Hundeführer geht zwischen Verkehr und Hundegespann

-   die Kommandos rechts, links, steh, zieh, zurück werden eingeübt

-   die Hunde ziehen Reifen unterschiedlicher Größe und Gewicht an beweglichen Seilen und später Übungsdeichseln, der zu Beginn noch von einer Hilfsperson hinter dem Hund hergetragen werden

 

 

Unsere Zugwagen sind zum Teil Eigenbau und zum Teil in der Schweiz gekauft; die Kosten für einen Zugwagen liegen bei 1200 bis 1500 Euro. Man kann selbstverständlich auch einen einfachen Bollerwagen mit einer entsprechenden Deichsel versehen und zum Zugwagen umfunktionieren.